Dienstag, 9. November 2010

[Rezension] Mortal Coils (Deutsch: Gemini – Der goldene Apfel) von Eric Nylund

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Eliot und Fiona Post führen ein Leben voller Regeln, die von ihrer Großmutter aufgestellt worden sind. Jahr für Jahr kommen neue hinzu. Der aktuelle Stand liegt bei 106 hauseigenen Vorschriften, die das Verhalten der Enkel fast gänzlich kontrollieren. Keine Musik, keine Schokolade. Nur Bücher sind den Zwillingen erlaubt – wenn der Inhalt stimmt natürlich. Fiona und ihr jüngerer Bruder haben allerdings schon lange aufgehört sich zu fragen, wozu genau all diese Richtlinien dienen sollen. Das ändert sich am Tag ihres fünfzehnten Geburtstages. Auf dem Weg zur Arbeit, schenkt Eliot einem Obdachlosen Münzen, um dessen Violine reparieren zu lassen. Seitdem begegnet der Mann ihnen ständig. Durch unheimliche Umstände wird ihr Vorgesetzter schwer verletzt – nachdem er Fiona angegrabscht hat. Aber selbst das bleibt nicht das Seltsamste an diesem Tag. Eliot und Fiona sind sich ziemlich schnell einig, dass durch das Auftauchen ihres Onkels, das wahre Abenteuer erst richtig beginnt. Ein Abenteuer, das nicht nur erklärt, warum ihre Großmutter so viele Regeln aufgestellt hat, sondern auch die Wahrheit über ihre Eltern ans Licht bringt. Diese könnte allerdings zum Verhängnis für die zwei Jugendlichen werden.

Eric Nylund spinnt eine Geschichte voller interessanter Charaktere und Wendungen, der man gebannt folgt. Was hat es mit den Regeln der Großmutter auf sich? Wo stecken Eliots und Fionas Eltern? Die Fragen wollen gar nicht mehr abreißen und der Autor versteht es, bei der Beantwortung einer solchen, gleichzeitig neue aufkommen zu lassen. Langweilig ist dieses Buch trotz seiner knapp 650 Seiten ( der englischen Taschenbuchausgabe) nie geworden, was ein großer Pluspunkt ist. Die Geschichte lässt sich gut und flüssig lesen und bleibt durchweg spannend.

Besonders gelungen sind die Charaktere. Allen voran Eliot und Fiona, die durch ihre Erziehung ziemlich verschroben sind (und sehr untypische Dinge für ihr Alter wissen), aber gleichzeitig durch ihre Liebe zueinander sehr sympathisch wirken. Zusammen mit ihnen erfährt man mehr von den Hintergründen der Eltern. Diese beiden waren wohl alles, nur nicht gewöhnlich.
Doch obwohl die Charaktere sehr gut dargestellt wurden, haben mich dennoch zwei Dinge gestört: Zunächst waren es fast schon zu viele Leute, die aufgetreten sind. Zu viele, manchmal befremdliche Namen, die ich mir schlichtweg nicht merken konnte. Nicht zu vergessen, dass wir einmal die väterliche Seite und dann auch die mütterliche Seite der Familie zu sehen bekommen. Dem Personenwirrwarr konnte ich leider nicht immer folgen. Daneben waren einige der Nebencharaktere beinahe schon übermächtig. Großmutter Audrey und Onkel Henry seien da genannt. Nicht immer sympathisch, aber dennoch – oder gerade deswegen - umso interessanter. Dadurch rückten Fiona und Eliot manchmal ein wenig in den Hintergrund.

Sonst habe ich weder an der Geschichte noch am Stil etwas auszusetzen. Das Buch ist flüssig zu lesen. Wird allerdings durch mehrere Fußnoten durchzogen, was mich – obwohl ich sie sonst nicht ausstehen kann – nicht gestört hat. Gut fand ich ebenfalls das relativ runde Ende, das nicht in einem riesigen Cliffhanger endet, damit man bloß den Folgeband liest. Alles ist natürlich noch lange nicht beantwortet, und ein neues Kapitel ihres Lebens bricht für die Zwillinge an. Auch als Leser, sieht man diesem gespannt entgegen.

Eric Nylund schafft es mit seiner Geschichte zu überraschen und macht neugierig auf mehr.Ich bin froh das Buch – trotz anfänglicher Zweifel – gekauft zu haben und bin gespannt auf den Folgeband.

Deutsche Ausgabe:

Gebundene Ausgabe: 768 Seiten, Penhaligon Verlag, ISBN-13: 978-3764530495

Originaltitel: Mortal Coils

Mittwoch, 3. November 2010

[Rezension] Flavia de Luce - Mord im Gurkenbeet von Alan Bradley

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Die Elfjährige Flavia de Luce lebt zusammen mit ihren beiden älteren Schwestern und Vater auf dem englischen Landsitz Buckshaw. Der Alltag der de Luces ist geprägt von schwesterlichen Neckereien und einem ruhigen, distanzierten Vater, der seiner verstorbenen Frau noch immer nachtrauert. Auch Flavia vermisst ihre Mutter Harriet sehr, gerade weil sie nie die Möglichkeit hatte sie kennenzulernen. Dafür teilt sich Flavia eine besondere Leidenschaft mit der Mutter: die Chemie. Im persönlichen Labor der de Luces kann sich das Mädchen richtig austoben und lernt so viel sie kann über die Chemie. Ein Hobby, das sehr hilfreich für Flavia wird, als ein Unbekannter tot in ihrem Gurkenbeet aufgefunden, ihr Vater des Mordes beschuldigt wird und sie dessen Unschuld beweisen will.

Alan Bradley ist ein wirklich toller Erzähler. Sein Schreibstil ist schön und man schafft es gut Flavia durch die Geschichte zu folgen. Diese selbst ist spannend aufgebaut und überrascht mit der ein oder anderen Wendung.

Obwohl mir das alles durchhaus bewusst ist, konnte ich leider nicht so recht mit dem Buch „warm werden“. Ich bin eine Leserin, die sich als erstes von den Charakteren und deren Geschichten fesseln lässt, danach von der übergeordneten Story an sich. Lese ich also ein Buch, in dem ich die Charaktere durch und durch interessant finde, schaue ich über kleinere Plotlöcher gerne hinweg. Im Fall von Flavias erstem Abenteuer war es jedoch genau der umgekehrte Fall. Die Geschichte ist gut aufgebaut und schlüssig aufgelöst worden. Nur konnte ich mich mit keinem der Charaktere so richtig anfreunden. Flavias Vater ist mir zu distanziert und schwelgt zu sehr in der Erinnerung an seine Frau. Ihre Schwestern versinken entweder in der Welt der Bücher, oder sind oberflächliche Zicken. Das wäre für mich trotzdem kein Problem gewesen, wenn ich Flavia selbst als Protagonistin leichter hätte ins Herz schließen können. Ich habe darum gekämpft, sie zu mögen, manchmal habe ich auch schmunzeln müssen, aber die meiste Zeit konnte sie mich nicht recht überzeugen.

Flavia ist alles andere als das normale junge Mädchen von nebenan. Das finde ich als Ansatz sehr interessant – denn Charaktere mit Ecken und Kanten sind von je her spannend zu lesen. Sie ist eine Außenseiterin, die sich mit Leidenschaft der Chemie widmet. Das erste Problem, das ich mit ihr habe. Welche Elfjährige verschlingt hochkomplizierte Chemiebücher, versteht sie bis ins kleinste Detail und führt die Experimente selbst durch, ohne je Fehler zu machen? Ja, Flavia brauchte diese Eigenschaft und sie war ein extrem wichtiger Punkt in der Geschichte, aber ich fand sie unglaubwürdig. Neben ihrem naturwissenschaftlichen Genie ist Flavia natürlich auch noch in der Lage mal ganz allein einen Mordfall zu lösen, weil sie kennt ja diesen und jenen chemischen Stoff und weiß sofort worum es sich handelt. Auch generell finde ich, dass sie meist zu schnell und treffsicher für ein elfjähriges Mädchen kombiniert. Ein oder zweimal liegt sie falsch, aber nicht lange, da hat sie die Antwort, kann den kompletten Tathergang nachvollziehen und weiß viel mehr als die Polizei es jemals tat.

Genau das ist das größte Problem, das ich mit dem Buch hatte. Flavia war für mich einfach zu übermächtig, zu gewitzt, was sie für mich schon wieder unrealistisch hat wirken lassen. Ich kann leider nicht anders, als zu sagen, dass es mich irgendwann nur noch genervt hat. Denn egal wie schlau Flavia ist, wie sehr sie die Chemie liebt, sie ist und bleibt elf Jahre alt! Nur merkt man davon nicht viel. Hier und dort werden ein paar Gedanken eingestreut, die zeigen sollen, dass sie eben doch noch ein Kind ist, aber für mich gab es davon einfach zu wenige.

Da ich sie und die anderen Charaktere nicht sympathisch fand, konnte ich das Buch nicht locker durchlesen, sondern musste mich manchmal dazu bringen, es zu beenden, damit ich diese Rezension schreiben konnte.

Meinen Geschmack hat Alan Bradley leider nicht treffen können und ich werde den zweiten Band, „Flavia de Luce - Mord ist kein Kinderspiel“, wohl nicht lesen.

Heißt das jetzt, das „Flavia de Luce – Mord im Gurkenbeet“ ein schlechtes Buch ist?

Nein. Es gibt sehr viele Flavia Fans, die das Buch lieben. Alan Bradley hat Preise dafür bekommen – mit Sicherheit nicht unverdient. Denn Bradley hat ein durchaus ansprechendes Werk geschaffen, das jedoch nicht für jedermanns Geschmack geeignet ist (aber welches Buch ist das schon?). Wem eine ausgefallene Heldin, oder besser gesagt, ein elfjähriges Genie mit einer übermächtigen Vorliebe zur Chemie gefallen mag und wer eine schön erzählte Geschichte zu schätzen weiß, dem ist Flavias erstes Abenteuer durchaus zu empfehlen.



Taschenbuch: 384 Seiten, Verlag: Blanvalet, ISBN-13: 978-3442376247

Originaltitel: The Sweetness at the Bottom of the Pie

Montag, 18. Oktober 2010

[Rezension] In die Wildnis von Jon Krakauer

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Im September 1992 fanden Elchjäger in Alaska eine Leiche in einem alten Bus, der auch heute noch in der Wildnis steht. Wer ist der Tote? Warum ist er gestorben und was tat er alleine mitten im Nirgendwo, in der unbarmherzigen Natur?

Jon Krakauer hat es sich mit diesem Buch zur Aufgabe gemacht Licht in die Geschichte des Toten zu bringen. Wir begleiten den Autor auf seiner Spurensuche und erfahren, dass der junge Mann Chris McCandless heißt und gerade mit großem Erfolg sein Studium abgeschlossen hat. Er kommt aus einer gut situierten Familie und war nicht eben arm, als er sich in seinem alten Auto auf die Reise begeben hat. Er spendete sein Erspartes einer Wohltätigkeitsorganisation und verbrannte sein restliches Bargeld. Doch nicht nur seine Besitztümer lässt er hinter sich, auch mit seiner Familie spricht er nie wieder ein Wort. Sein Auto lässt er irgendwann zurück und ist schließlich nur noch zu Fuß unterwegs, trampt durch den Westen Amerikas. Dabei lernt er viele unterschiedliche Menschen kennen, deren Leben er berührt oder sogar verändert. Zum Beispiel den Farmer Wayne, für den er einige Zeit arbeitet. Oder den alten Ron Franz, der Chris sofort in sein Herz schließt und ihn wie einen Enkel liebt. Viel Zeit verbringt Chris aber auch allein, in der Wüste oder in einem Kajak. Bis er schließlich in den Norden aufbricht. In sein großes Alaska-Abenteuer, wie er es nennt. Welche Sehnsucht zieht ihn dorthin? Was veranlasst einen erfolgreichen und intelligenten jungen Mann alles hinter sich zu lassen und sich in die Wildnis zu begeben, ohne Karten, denkbar schlecht vorbereitet? War er einfach nur ein idealistischer, romantischer Spinner? Oder steckt mehr hinter seinen Taten? Wohlmöglich Sehnsucht? Eine Flucht? Und woran ist seine Reise am Ende gescheitert?

Diese Fragen ziehen sich durch das ganze Buch. Anhand von Tagebucheinträgen, die man bei Chris‘ Leiche gefunden hat, Gesprächen mit den Menschen, denen er auf seiner Reise begegnet ist, und die ihn kannten, rekonstruiert Jon Krakauer die Lebensgeschichte von Chris McCandless. Je mehr man liest, desto mehr hat man das Gefühl Chris vielleicht ein bisschen zu verstehen. Der Autor schafft es, aus Chris mehr als eine Leiche in einem Bus in Alaska zu machen. Am Ende ist er zu seiner sympathischen Persönlichkeit geworden, ein Mensch mit echten Emotionen und einer Geschichte, den man gerne verstehen möchte. Und auch wenn Krakauer am Ende die Fragen nach dem warum nicht mit Gewissheit beantworten kann, schafft er es doch Verständnis zu wecken. Denn wer hat nicht schon einmal davon geträumt aus der Gesellschaft auszusteigen, wenigstens für eine Zeit, sich aufzumachen, raus aus dem Alltag, aus seiner eigenen Welt? Chris hat dies mit einer Konsequenz umgesetzt, die nur wenige Leute besitzen. Ob er nun mutig oder einfach nur ein Idiot war, wird wohl jeder für sich selbst entscheiden müssen.

Ich gebe für dieses Buch eine klare Leseempfehlung. Entgegen meiner Erwartungen war es sehr spannend geschrieben. Seite um Seite liest man, immer in Erwartung dessen, was diese faszinierende Persönlichkeit im Leben angetrieben hat. Die Gewissheit, dass man hier eine wahre Geschichte liest, macht das Buch nur noch bewegender, ohne zu sentimental zu werden.

Es hat mich auf jeden Fall zum Nachdenken angeregt und selbst drei Wochen, nachdem ich es nun zu Ende gelesen habe, sinniere ich immer noch über Chris und seine Sicht auf die Welt nach. Ein Buch, dass man so schnell nicht vergisst!



Taschenbuchausgabe: 301 Seiten, Piper Verlag, ISBN: 978-3-492-25067-2
Titel Originalausgabe: Into the Wild

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Link zur Seite der Verfilmung von Sean Penn, die ebenfalls wunderbar gelungen ist, mit einem tollen Emile Hirsch in der Hauptrolle (englisch): www.intothewild.com

Donnerstag, 14. Oktober 2010

[Rezension] Clockwork Angel von Cassandra Clare

Die amerikanische Autorin Cassandra Clare hat für ihre Urban-Fantasy-Reihe „Die Chroniken der Unterwelt (Originaltitel: „The Mortal Instruments“) die Welt der Schattenjäger erschaffen. Diese sind Dämonenjäger, die durch das Blut des Erzengels Raziel stärker sind als normale Menschen und es sich zu ihrer Aufgabe gemacht haben die gewöhnliche Bevölkerung vor der Welt der Schatten zu schützen.
Nach ihrer ersten, erfolgreichen Trilogie „City of Bones“, „City of Ashes“ und „City of Glass“, wartet Clare nun mit einer Prequel-Trilogie zu den „Chroniken der Unterwelt“ auf. Der „The Infernal Devices“ – Reihe (auf deutsch laut dem Arena Verlag „Die Chroniken der Schattenjäger“). Der erste Band heißt „The Clockwork Angel“ .

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Gebundene Ausgabe: 496 Seiten
Verlag: Margaret K. McElderry Verlag,
ISBN-13: 978-1416975861
Sprache: Englisc
Der Inhalt in wenigen Sätzen:

Die 16-Jährige Theresa Gray, Tessa genannt, reist nach dem Tod ihrer Tante von New York nach London. Dort erwartet sie von ihrem älteren Bruder Nate abgeholt zu werden. Als Tessa jedoch in England eintrifft, ist von Nate keine Spur. Statt seiner wird sie von den Dark Sisters und deren mysteriösen Bediensteten in Empfang genommen, die in Nates Auftrag handeln. Tessa ist zunächst skeptisch, doch sie folgt den beiden Frauen. Zu Tessas Unglück liegt sie mit ihrer Skepsis richtig. Die Dark Sisters bringen sie nicht zu ihrem Bruder, sondern halten sie von nun an in deren Haus gefangen. Das ersehnte Treffen mit Nate rückt nicht nur in weite Ferne, schlimmer noch, die Schwestern zwingen Tessa sich an Kräften zu erproben, von denen sie selbst nicht einmal wusste, dass sie sie hat. Doch sollte sie sich weigern, wird Nate sterben. Nach Wochen der Verzweiflung, beschließt Tessa einen Fluchtversuch zu wagen, währenddem sie auf einen dunkelhaarigen jungen Mann trifft, der ihr hilft. Sein Name ist William Herondale (von allen Will genannt) und er ist ein Schattenjäger des Londoner Instituts. So kreuzen sich die Wege der beiden, und Tessa lernt schnell, dass alles, was sie für wahr hielt, nur die Oberfläche eines großen Ganzen ankratzt. Die Dinge, die sie zu wissen glaubte, nur Teile eines Puzzles sind, das sie gemeinsam mit den Schattenjägern lösen muss. Denn nicht nur Tessas Bruder schwebt in Gefahr, der mysteriöse Magister, der hinter ihr her ist, plant eine Armee von Automaten auf London loszulassen.

Was Izzy dazu sagt:
In „The Clockwork Angel“ entführt Cassandra Clare den Leser in das viktorianische England des Jahres 1878. Die Handlung spielt, wie bei einem Prequel nicht anders zu erwarten, in ihrer erschaffenen Welt der Schattenjäger. Wer jedoch glaubt eine exakte Neuauflage von den „Chroniken der Unterwelt“ vor einem anderen Hintergrund zu lesen, wird schnell merken, dass dem nicht so ist. Zwar gibt es Parallelen zwischen Will und Jace – beide sind arrogant und sarkastisch (scheint also in der Familie zu liegen) – doch Clare macht deutlich, dass sie sich aus völlig verschiedenen Gründen derart Verhalten. Jace ist ehrlich, Will grausam - etwas, das man im Verlauf des Buches mehr und mehr lernt.
Unterschiede gibt es auch in der Atmosphäre. Sind die „Chroniken der Unterwelt“ actionreich und sarkastisch, so erscheint TID eher düster, verworren und tragisch. Besonders Letzteres spiegelt sich in den Schicksalen der Schattenjäger wieder, auf die Tessa trifft. Alle jüngeren Schattenjäger haben ihre Eltern verloren bzw. scheinen nicht mehr zu ihrer Familie zurückkehren zu können. Jem hat ein trauriges Geheimnis, das seinen weisen und freundlichen Charakter umso sympathischer macht. Tessas Welt zerfällt in Stücke, die sie selbst wieder neu zusammensetzen muss.
Fragen nach der Wahrheit und der eigenen Identität, aber auch die Entscheidung jedes einzelnen, wer man wirklich sein möchte, spielen eine zentrale Rolle.
Die Stärken des Buches liegen zum einen in der düstereren, beinahe gruseligen Atmosphäre, sowie bei den Charakteren. Erstes wird besonders durch die Automaten und die Machenschaften des Magisters getragen, aber auch das alte England trägt seinen Teil dazu bei. Letzteres zeigt sich bei skurrilen Nebencharakteren wie Henry, der auf seine eigene Art liebenswert ist. Oder der vorlauten Sophie, die stets mehr zu sein scheint, als eine Bedienstete. Alle haben ihre eigene Geschichte und zeitgleich ihren Platz in der von Tessa. Durch Tessas bedachten und durch ihre Frauenrolle geprägten Charakter entwickelt sich die Geschichte ruhig, ohne dabei jedoch langweilig zu werden. Die Story gipfelt schließlich in einigen actionreichen Szenen und endet nicht ohne einen Schock.
Für Leser der „Chroniken der Unterwelt“ lässt sich ebenfalls erwähnen, dass eine bekannte und beliebte Figur aus dieser Reihe auch eine Rolle in TID hat. Der bunte Hexenmeister Magnus Bane. Welche Rolle er spielt, wird hier allerdings nicht verraten.
„The Clockwork Angel“ ist ein gelungener Auftakt einer neuen Schattenjäger-Trilogie. Die Charaktere sind interessant aufgebaut, haben ihre Geschichten, die teilweise gelüftet scheinen. Trotzdem beschleicht einen als Leser nicht selten das Gefühl, dass es noch mehr zu erfahren gibt. Bei dem einen Charakter offensichtlicher, bei dem anderen auf subtilere Art angedeutet.

Fazit:
Obwohl das Buch sehr lesenswert ist, gab es trotzdem einige Kleinigkeiten, die mich gestört haben: Wills Geschichte wird so kryptisch dargelegt, dass es manchen Lesern schwer fallen wird, sein Verhalten zu durchschauen oder es gar zu verzeihen. Über Magnus Banes Rolle in diesem Band lässt sich streiten (wobei ich zugebe, voreingenommen zu sein, da er einer meiner Lieblingscharaktere ist). Und mich lässt das Gefühl nicht los, dass Cassandra Clare mit den Folgebänden noch eins draufsetzen kann, was die Schockmomente und Action angeht. Finde ich insbesondere den letzten Punkt schlecht? Nein, im Gegenteil. Die Vorfreude auf den zweiten Teil „The Clockwork Prince“, der im Herbst 2011 erscheint, ist groß. Denjenigen, die sich noch nicht an den ersten TID Band gewagt haben, gebe ich demnach diesen Tipp: Lesen!

Freitag, 8. Oktober 2010

Buch des Monats - Oktober

Zwei an einem Tag von David Nicholls

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Emma und Dexter, zwei Menschen wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten, treffen sich an ihrem letzten Tag im College und verbringen die Nacht zusammen. Was passiert ein Jahr später? Zehn Jahre nach dem College? Bleiben sie Freunde? Werden sie heiraten? Wenn ja, wen? Wird ihr Leben so laufen, wie sie es sich erträumt haben? Immer am 15. Juni treffen wir Emma und Dexter und erfahren, was ihnen im letzten Jahr passiert ist. Und das über einen Zeitraum von beinahe zwanzig Jahren.

Es gibt gleich mehrere Dinge, die dieses Buch von anderen Liebesgeschichten abhebt und zu etwas besonderem macht.


Zunächst ist es nicht ausschließlich eine Liebesgeschichte. Emma und Dexter sind zwei Charaktere, die sich echt anfühlen. Obwohl sie sehr unterschiedlich sind, kann sich der Leser sofort mit beiden identifizieren, mit ihren Ängsten und Wünschen. Und so erfahren wir nicht nur, wie es um die Beziehung zwischen Emma und Dexter steht, sondern auch wie sich ihr Leben entwickelt. Es ist auch ein Buch über die eigenen Erwartungen an sein Leben und wie sich am Ende alles vielleicht anders entwickelt, als man es sich einmal erträumt hat. Das gibt der Geschichte etwas sehr realitätsnahes. Es kommt einem vor, als währen Dexter und Emma zwei Freunde, deren Tagebuch man zufällig gefunden hat. Eine Geschichte wie aus dem Leben gegriffen also.


Genauso echt ist auch die Liebesgeschichte zwischen Emma und Dexter. Sie verfällt niemals in Kitsch oder übertriebenes Drama und ist so meiner Meinung nach für den Leser näher und greifbarer als die meisten Hollywood-Romantikkomödien. Die Beziehung entwickelt und verändert sich zusammen mit dem Leben von Emma und Dexter. Und die große Frage bleibt immer, ob und wann sie zueinander finden.


Dabei ist das Buch auch noch unheimlich spannend geschrieben. Dadurch, dass immer nur ein Tag in einem Jahr im Leben der beiden beleuchtet wird, liest man in der konstanten Erwartung dessen, was wohl als letztes passiert ist und was das für Auswirkungen auf ihr Leben hatte.


„Zwei an einem Tag“ gehört zu den besten und spannendsten Büchern, die ich dieses Jahr gelesen habe. Eine klare Empfehlung, für alle, die unkitschige, aber trotzdem gefühlvolle und realitätsnahe Geschichten über das Leben und die Liebe mögen.




Gebundene Ausgabe: 560 Seiten, Kein & Aber Verlag, ISBN 978-3036955421

[Rezension] Mockingjay von Suzanne Collins

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Endlich ist der dritte Teil der Hunger Games-Trilogie (zu Deutsch: Die Tribute von Panem) erschienen. Die Erwartungen sind hoch, „Hunger Games“ und „Catching Fire“ haben die meisten von uns begeistert. Schafft es Suzanne Collins der Geschichte einen würdigen Abschluss zu geben? Oder enttäuscht Mockingjay?

Am Ende des zweiten Bandes überschlugen sich die Ereignisse und ließen mich als Leser zunächst etwas verwirrt zurück. In Mockingjay werden nun all die Vermutungen über Distrikt 13, die Rebellion und den Krieg Realität.

Auch Katniss versucht mit den veränderten Bedingungen klar zu kommen. Sie hat überlebt und befindet sich nun im verloren geglaubten Distrikt 13, dem Zentrum der Rebellion. Ohne es zu ahnen, ist sie zum Gesicht der Revolution geworden, zur moralischen Anführerin, sie ist der Mockingjay. Und ob sie will oder nicht: der Erfolg der Rebellion gegen das Kapitol hängt zu großen Teilen auch von ihr ab. Doch das sind nicht Katniss‘ einzige Probleme. Was ist mit Peeta passiert? Und mit den anderen Tributen? Werden die Rebellen es schaffen die Macht des Kapitols zu brechen? Und was würde passieren wenn es Ihnen gelänge?

Mockingjay hat mich zwiegespalten zurückgelassen. Es ist ein Buch über den Krieg, die Konsequenzen des Krieges und die Tatsache, dass es am Ende keine Gewinner geben kann. Geliebte Charaktere sterben, sinnlose Gewalt gegen scheinbar jeden ist an der Tagesordnung, keiner kann sich sicher fühlen. Nicht einmal der Leser. Dementsprechend tut das Buch weh beim Lesen. Es ist keine glückliche Geschichte. Aber sie fühlt sich realistisch an. Obwohl man die Hälfte der Zeit denkt „Nein, das kann Suzanne Collins doch nicht machen.“ ist das Buch trotz allem gelungen. Denn schon die ersten beiden Teile haben uns nicht grade mit brutalen Wahrheiten verschont. Der dritte Teil ist in dieser Hinsicht einfach konsequent. Krieg ist nicht schön. Im Krieg sterben Menschen. Krieg traumatisiert. All das zeigt uns Mockingjay. Auch das Ende des Buches hat mir in dieser Hinsicht gut gefallen, ohne an dieser Stelle zu viel vorweg nehmen zu wollen.

Wie auch schon in den Vorgängerbänden glänzt Suzanne Collins wieder mit ihren Charakteren. Selbst die Nebencharaktere wachsen einem schnell ans Herz. Ich denke da z. B. an Finnick und Annie, die noch mehr Tiefe kriegen und sogar noch sympathischer werden (unglaublich aber wahr). Sie sorgen auch für den ein oder anderen lichten Moment. Umso dramatischer ist es, wenn man mit an sehen muss, was Ihnen alles für Ungerechtigkeiten wiederfahren. Speziell für Peeta-Fans wie mich ist der dritte Teil harte Kost.

Meiner Meinung nach ist Mockingjay durchaus gelungen. Das Ende fühlt sich richtig an. Trotzdem bedauere ich immer noch das Schicksal einiger geliebter Charaktere und wünschte mir, dass sie es vielleicht nicht ganz so hart getroffen hätte. Es ist keine leichte Kost, aber wer schon „Hunger Games“ und „ Catching Fire“ mochte, wird auch „Mockingjay“ verschlingen.



Gebundene Ausgabe: 400 Seiten, Scholastic, 978-0-439-02351-1

Die deutsche Ausgabe wird "Die Tribute von Panem - Flammender Zorn" heißen und erscheint am 20. Januar 2011.

Sonntag, 3. Oktober 2010

[Rezension] Die Tribute von Panem: Gefährliche Liebe von Suzanne Collins

Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
Verlag: Friedrich Oetinger Verlag,
ISBN-13: 978-3789132193
Originaltitel: The Hunger Games 2. Catching Fire
Als ich den ersten Teil "Die Tribute von Panem: Tödliche Spiele" beendet hatte, war für mich schnell klar, dass ich auch den zweiten Band lesen muss. Zu dieser Zeit gab es diesen aber nur auf Englisch. Das konnte mich natürlich nicht davon abhalten "Catching Fire" zu lesen.
Zu Beginn war ich doch skeptisch, ob Suzanne Collins das Tempo, die Spannung, aber auch Emotionalität des ersten Bandes halten kann. Bei einem derart guten Buch hätte es mich auch nicht gewundert, wenn der zweite Teil schlechter ausgefallen wäre als der erste. Aber zu dieser Zeit wusste ich eben noch nicht, was für ein tolles Buch "Catching Fire" ist.

Was Izzy dazu sagt:
Die Handlung setzt kurz nach dem Ende des ersten Bandes ein. Katniss, die durch einen Akt der Rebellion dafür sorgte, dass es zum ersten Mal in der Geschichte der Hungerspiele zwei Sieger gab - sie und Peeta - wohnt mittlerweile mit ihrer Familie in der Stadt der Sieger. Die Beziehung zu Peeta ist abgekühlt und meistens weiß Katniss selbst nicht, was sie für ihn fühlt. Die zwei versuchen sich von den Strapazen der Hungerspiele zu erholen. Alles scheint einigermaßen friedlich. Bis das Blatt sich wendet und Katniss von Präsident Snow persönlich bedroht wird: Entweder sie überzeugt ganz Panem davon, dass der Trick mit den Beeren kein Akt der Rebellion, sondern ein Zeichen ihrer Liebe zu Peeta war, oder sie und alle, die ihr am Herzen liegen, werden dafür büßen.
So beginnt der zweite Teil der Reihe mit Katniss und ihren Versuchen wieder ein normales Leben zu führen - so gut es mit einer solchen Pflicht im Hinterkopf möglich ist. Auf der Tour der Sieger durch das Land Panem, wird jedoch nach und nach nicht nur Katniss, sondern auch dem Leser klar, dass in den Distrikten nichts mehr so ist wie es war. Aber das ist nicht der größte Schock, den man mit ihr zusammen durchleben muss.

Wie geht es weiter mit Katniss Everdeen und Peeta, den beiden Jugendlichen, die zum ersten Mal zu zweit die grausamen Hungerspiele überlebt haben? Diese Grundfrage stellt man sich wohl, wenn man Catching Fire aufschlägt. Vielleicht noch die, wie Suzanne Collins das hohe Niveau vom ersten Band halten will ohne den ersten Band zu kopieren. Gelungen ist ihr dieses Kunststück alle Mal.

Das Buch beginnt relativ ruhig. Man erfährt viel über Katniss und ihr neues Leben als Siegerin der Hungerspiele. Gleichzeitig erlebt man durch ihre Augen das Elend der restlichen Menschen. Menschen, die nicht genug Geld haben, die sich nicht - so wie Katniss - auf ihren Status verlassen können. Viele kleine Dinge, die Katniss selbst nicht verborgen bleiben. Sie macht eine gute Entwicklung durch und obgleich sie manchmal zu verzweifeln droht; Pläne schmiedet, die sie darauf wieder verwirft, ist sie sehr sympathisch und nachvollziehbar.
Ein wenig mehr erfährt man in diesem Band auch über Gale. Den anderen Jungen in Katniss' Leben. Vom Kapitol kurzerhand zu ihrem Cousin erklärt, hat er die Möglichkeit in ihrer Nähe zu bleiben und zu zeigen, warum sie so stark an ihm hängt.
Katniss' Stylist Cinna hat einen anrührenden und gleichzeitig tragischen Moment.
Haymitch, der ewig betrunkene Coach von Katniss und Peeta, gewinnt ebenfalls an Tiefe und sorgt für einige Überraschungen. Man könnte noch viele weitere Charaktere aufzählen. Was zu den großen Stärken des Buches gehört. Kein Nebencharakter wirkt unwichtig oder als Mittel zum Zweck. Alle haben ihre Geschichten, Stärken und Schwächen. Ein Finnick Odair sei da genannt. Der wunderschöne, von allen im Kapitol geliebte Finnick. Ein Charakter, der schnell oberflächlich geraten könnte - auch er ist vielschichtig. Man fragt sich nicht nur einmal, wie er sich in seinem Leben durchschlagen musste. Wie es überhaupt für einen Menschen sein muss, mit 14 Jahren andere zu töten, um selbst zu überleben.
Bei den Neuzugängen kann man also gespannt sein, wie Collins sie im Folgeband weiterentwickelt. Genug Potenzial ist vorhanden.
Die Handlung selbst zieht von Anfang an in seinen Bann. Die erste Phase, in der man die ganzen widersprüchlichen Gefühle von Katniss miterlebt. Ihre Angst und Verzweiflung, aber auch ihren Mut und letztendlich ihre Entschlossenheit, die Rolle anzunehmen, die ein ganzes Land ihr zugedacht hat. Umso schockierter ist man, wenn es in den zweiten Teil des Buches geht. Eigentlich hätte man es wissen müssen. Doch auch als Leser denkt man, dass es genug ist mit all dem Terror und dem Angst schüren des Kapitols. Aber genau wie Katniss irrt man sich. Unerwartet sieht man sich wieder mit alten und gleichzeitig neuen Gefahren konfrontiert und fiebert unentwegt mit den Charakteren mit.
Wenn das Buch dann schließlich fulminant endet, bleibt man mit zwei Fragen zurück:
Wie hat Suzanne Collins es angestellt "Die Tribute von Panem: Gefähliche Liebe" noch eindringlicher, bewegender - eben noch besser als "Tödliche Spiele" zu schreiben? Und zweitens: Wann kann man endlich weiterlesen?
Zumindest auf die letzte Frage gibt es eine konkrete Antwort.
Seit dem 24. August diesen Jahres ist der dritte Band "Hunger Games: Mockingjay" in englischer Sprache in den Buchhandlungen erhältlich.
Wie angekündigt, werden wir das Buch lesen und euch von unseren Eindrücken berichten.

Fazit:
Bis dahin bleibt für jeden, der diese Reihe noch nicht für sich entdeckt hat, nur zu sagen: Lest es!
Ist das Buch schockierend? Wühlt es auf? Beide Male Ja.
Aber es ist ebenfalls ein sehr lehrreiches und nachdenklich stimmendes Buch, ohne dass es aufdringlich wirkt. Ich kann also nicht anders, als rundum begeistert davon zu sein.