Sonntag, 5. Juli 2015

[Rezension] Elias & Laia - Die Herrschaft der Masken von Sabaa Tahir

Inhalt:

Wie überlebt man in einer Welt, in der Männer mit silbernen Masken jeden Tag den Tod bringen können? Wie kann man sich selbst treu bleiben, wenn die Herrschenden des Imperiums alles dafür tun, voller Grausamkeit ein ganzes Volk zu unterjochen?

Elias und Laia stehen auf unterschiedlichen Seiten. Und doch sind ihre Wege schicksalhaft miteinander verknüpft. Während Elias in der berühmten Militärakademie von Schwarzkliff dazu ausgebildet wird, als Elite-Krieger die silberne Maske der Macht voller Stolz und ohne Erbarmen zu tragen, muss Laia täglich die Willkür der Herrschenden fürchten. Als ihre Familie ermordet wird und ihrem Bruder die Hinrichtung droht, schließt sie sich dem Widerstand an. Als Sklavin getarnt, dringt sie in das Innerste von Schwarzkliff vor. Dort trifft sie auf Elias, den jungen Krieger, der eigentlich ihr Feind sein müsste ...

Eine mitreißende Geschichte, in der es buchstäblich um Leben und Tod geht






Der erste Satz:

      Mein großer Bruder kehrt heim in den dunklen Stunden vor der Morgendämmerung, in denen sogar die Geister ruhen. 
 

Das sagt Lucy:

Die liebe Izzy hat mir dieses Buch ans Herz gelegt. Und ich muss zugeben, am Anfang war ich skeptisch. Von alleine wäre ich wohl nie auf die Idee gekommen, mir Elias & Laia zu kaufen; was vermutlich am Titel und dem Rückseitentext liegt, der doch ziemlich klischeehaft und nach purer höchstdramatischer Liebesromanze klingt. Leider. Denn bereits nach dem Vorwort der Autorin (unbedingt lesen!) wusste ich, dass mich die Aufmachung der deutschen Ausgabe getrügt hatte. Und nach den ersten Kapiteln war klar, dass dieses Buch mich in einen Sog ziehen würde, aus dem ich nicht wieder herauskommen würde. Und dass ich am Ende Band 2 entgegenfiebern würde. 

Ich habe die Geschichte von Elias und Laia verschlungen. Und war positiv überrascht, dass sie sich so ganz anders entwickelte, als man als Leser zunächst vermute - sowohl was die Liebesbeziehungen als auch was die Erlebnisse und Hintergründe der Nebencharaktere angeht.

Laia ist eine Kundige, die nach dem Tod ihrer Eltern zusammen mit ihrem Bruder bei ihren Großeltern lebt. Wenn die Kundigen auch seit vielen, vielen Jahren von den Martialen unterdrückt werden, führen sie ein einigermaßen normales Dorfleben. Bis eines Abends martialische Soldaten, die ihre silbernen Masken niemals abnehmen und die sich deshalb schon längst mit der Gesichtshaut verschmolzen haben, ihr Haus überfallen, ihre Großeltern umbringen und Laias Bruder verschleppen.

Laia kann fliehen und versucht mit Hilfe des Widerstands, dem auch ihre Eltern angehört hatten, ihren Bruder zu befreien. Als Sklavin getarnt nimmt sie eine Stelle in Schwarzkliff an, der Akademie, an der die so genannten Masken ausgebildet werden, und wo der Anführer des Widerstands hofft, über Laia an geheime Informationen zu gelangen. Erst dann - so seine Bedingung - wird er ihr helfen, ihren Bruder zu befreien.

Elias ist eine ebensolche Maske. Doch statt sich auf seinen Abschluss zu freuen, plant er die Fahnenflucht. Schon lange quälen ihn Zweifel an der Herrschaft der Martialen und er möchte daran nicht länger beteiligt sein. Doch der Ausbruch aus Schwarzkliff gestaltet sich als schwerer als gedacht, denn da gibt es sowohl eine Prophezeiung, die ihn innehalten lässt, als auch seine beste Freundin Helena, und diese Kundigen-Sklavin, die seit neuestem als Haushälterin für seine Mutter dient.

Es ist jedoch nicht so, dass die beiden sich auf Seite zwei begegnen und sich sofort unsterblich ineinander verlieben. Es ist eher so, dass die beiden bis zum letzten Drittel des Buches kaum aktiv und gefühlsbetont miteinander zu tun haben. Zum einen Teil empfand ich das als sehr angenehm, zum anderen Teil aber hat die Autorin es doch etwas übertrieben mit der Distanz zwischen den beiden. Erst sehr, sehr spät haben sie wirklichen Kontakt, von Liebe kann zum Ende des ersten Teils noch nicht die Rede sein. Umso mehr hat es mich verwirrt, dass sie zusammen fliehen und zusammen hoffen, während sie eigentlich jeweils eine andere Person für sich warten haben, die ihnen sehr viel bedeutet und zu denen die emotionale Verbindung viel stärker rüberkam beim Lesen. 

ACHTUNG, SPOILER:

Ja, ich muss sagen, ich war schon sehr verwirrt von Elias' Gedanken und Taten Helena gegenüber. Er betont zwar immer wieder, dass sie nur seine beste Freundin ist, aber für mich kamen da weitaus romantischere Gefühle rüber ... und letztlich hätte ich lieber die beiden zusammen gesehen, als ihn mit Laia fliehen. Ein paar Szenen anders formuliert hätten geholfen, dass man als Leser die reine Freundschaft erkennt und akzeptiert. Schön und gut, dass er sich vorstellt, wie sie nackt aussieht, ist noch normal für einen jungen Mann, der bisher lediglich mit männlichen Soldaten zu tun hatte. Aber dass er allzu oft darüber fantasiert, wie es wäre, mit ihr zusammen zu sein und zusammen zu leben und zusammen zu herrschen und sie zu küssen und zu berühren, das führt dann schon zu weit.

Da kam es mir irgendwie nicht richtig vor, dass er und Laia sich stattdessen küssen.

SPOILER-ENDE.

Auch hat mich die Kommandantin oftmals verwirrt zurück gelassen. Doch die insgesamt tollen Persönlichkeiten der Haupt- und Nebencharaktere, die spannende Story und der packende Schreibstil der Autorin machen diese kleinen Kritikpunkte wieder gut. Zudem habe ich Hoffnung, dass Band 2 hierzu noch einige aufklärende Passagen bieten wird. Auch zu der Magie und den magischen, teilweise wirklich gruseligen Wesen würde ich im zweiten Teil gerne noch mehr erfahren.

Insgesamt ein actionreicher Roman, in dem es um mehr geht als die Liebe, und den ich all jenen ans Herz legen kann, die bereits die Dustlands-Reihe von Moira Young in ihren Bann ziehen konnte.

Fazit:

Für eine Geschichte, die mich von Anfang bis Ende fesseln konnte und sich so ganz und gar anders entwickelte, als ich es zunächst vermutete (Schande über die Aufmachung der deutschen Ausgabe. Ganz ehrlich, was soll dieser lahme, irreführende Titel?!). Für zwei starke und interessante Charaktere, an deren Handlungssträngen ich mich neugierig entlanggehangelt habe. Und die mich mit zig Fragen zurückließen und sehnsüchtig auf Band 2 warten lassen. Für zu viel Gefühl und irreführende Anspielungen zwischen besten Freunden und dafür zu wenig Herzklopfen zwischen den Protagonisten. Für eine Frau in hoher Position, die mich permanent verwirrt hat und von der ich hoffe, dass ich ihre Rätsel im zweiten Teil lösen werden kann. 

Dafür gibt es von mir 5 Wombats.


2 Kommentare:

Friedelchen hat gesagt…

Mir hat das Buch auch sehr gefallen, endlich waren mal wieder frische Ideen und eine packende Handlung da, das habe ich in letzter Zeit sehr bei den Jugendbüchern vermisst.
Stimmt schon, die Chemie zwischen Laia und Elias war zwar da, aber nicht so stark wie zu den anderen Nebencharakteren. Da bin ich echt gespannt, was die Autorin noch draus macht.

Lucy Montrose hat gesagt…

@ Friedelchen: Vielen Dank für den liebe Kommentar! Ich bin auch sehr gespannt auf Band 2. Da ist noch Raum nach oben und ich hoffe, sie nutzt ihn. :-)

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