Donnerstag, 17. Januar 2013

[Rezension] Linna singt von Bettina Belitz

  •  Gebundene Ausgabe: 508 Seiten
  • Verlag: Script5 - junge Belletristik
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3839001394
Rückseitentext:

Seit fünf Jahren hat Linna sie nicht mehr gesehen: Maggie, Simon, Jules und Falk, die ehemaligen Mitglieder ihrer Band. Nun treffen sie sich in einer Hütte in den Bergen wieder, um für einen Auftritt zu proben. Linna hatte eigentlich keinen Grund, Maggies Einladung zu folgen, denn was die anderen nicht wissen: Seit damals hat sie keinen Ton gesungen.

Doch etwas treibt sie an, sich ihrem alten Leben zu stellen: die Erinnerung an eine Nacht mit Falk, dem Gitarristen. Linna muss sagen, was vor fünf Jahren unausgesprochen blieb, und sie muss hören, ob Falk eine Antwort hat. Bald beginnt die von Anfang an gespannte Atmosphäre zu kippen: Was als zwangloses Wiedersehen geplant war, wird zum zermürbenden Psychospiel, bei dem Linna immer mehr als Lügnerin dasteht. Sie gerät in einen Strudel aus Verdächtigungen, Abhängigkeiten und Missverständnissen, der sie schließlich zwingt, die Erinnerung an vergangenen Schmerz zuzulassen. Denn dort liegt der Schlüssel zu allem: der Grund dafür, dass Linna nicht mehr singt.


Erster Satz:

      Waren die immer hier?

Das sagt Lucy:

Ein bisschen Psycho, ein bisschen Thriller, bitterkalt und durchweg spannend - das alles und noch ein bisschen mehr ist Linna singt. Es ist nicht nur die Geschichte einer jungen Frau, die nach fünf Jahren das erste Mal wieder auf ihre ehemaligen Bandkollegen trifft, sich endlich ihrer Vergangenheit stellen muss und mit der dabei ziemlich gruselige Psychospielchen getrieben werden. Sondern es ist auch eine Geschichte über Freundschaft und Eifersucht, über Geheimnisse und Vorurteile und Vertrauen, die mich tief berührt hat.

Auf jeden Fall, das sagen auch Verlag und Autorin, ist es ein Werk für junge Erwachsene. Ich finde, 16 Jahre sollte man als Leser von script5-Werken wie Linna singt auf jeden Fall sein; auch wenn die Story an sich sehr vorhersehbar und nicht immer hundertprozentig realistisch war.

Die Autorin spielt in diesem Buch viel mit der Atmosphäre und den Spannungen/Beziehungen zwischen den einzelnen Charakteren. Sie versucht deutlich zu machen, wie sehr die ehemalig so dicken Freunde sich entfremdet haben und wie distanziert und voller aufgestauter Wut und Emotionen sie sich begegnen. Und ich finde, ihr ist das ganz wunderbar gelungen. Linna singt stimmt einen durchaus melancholisch, nostalgisch und ich hatte z.B. auch einmal wieder die Gelegenheit an alte Freunde und an die Gründe, warum es damals auseinander gegangen ist, zu denken. 

Natürlich hat es auch damals, vor fünf Jahren, als Linna die Band verlassen hat, einen triftigen Grund gegeben. Es ist derselbe, warum Linna seither nicht mehr gesungen hat. Und gemeinsam mit ihr - aus der Ich-Perspektive und einem Schreibstil, der Linnas Charakter perfekt wiederspiegelt - macht man sich auf den Weg in die verschneiten, eisig-kalten Berge und setzt sich mit ihrer Vergangenheit und ihren Freunden auseinander. Dabei erlebt man Verwirrungen, wird vor den Kopf gestoßen und es plagen einen Schuldgefühle und Ängste. Und als dann nach und nach nicht nur die angespannte Stimmung eskaliert, sondern auch noch seltsame Dinge mit Linna passieren, zweifelt man teilweise sogar mit ihr an ihrem Verstand.

Linna ist stark, hübsch und jung, und ihr eilt der Ruf voraus, Männer wie eine Venusfalle zu verschlingen. Als ehemalige Frontfrau und Sängerin ihrer alten Band ist sie sehr selbstbewusst und ein klein wenig egozentrisch. Aber sie hat auch ihre verletzliche Seite, die vom Zusammenleben mit ihrer psychisch-kranken Mutter herrührt, aber die zeigt sie in der Öffentlichkeit niemandem. Ihre Handlungen und Entscheidungen konnte ich nicht immer nachvollziehen.

Während Linna also ein in sich sehr widersprüchlicher Mensch ist, den ich bis zum Ende hin noch nicht komplett enträtseln konnte, waren die anderen Charaktere - trotz mancher Überraschungen - angenehm leicht zu durchschauen. Ich muss aber gestehen, dass es unter all den Charakteren keinen einzigen gab, den ich so richtig sympathisch fand (was für mich mittlerweile irgendwie schon typisch Bettina-Belitz-Charakter ist). Ich muss aber auch gestehen, dass ich es in dieser Geschichte sogar als passend empfunden habe; bei der Splitterherz-Trilogie hat mich das eher etwas gestört.

Ein ganz ganz großer Pluspunkt war für mich die Musik. Sowohl die Thematik Band und wird Linna wieder singen an sich, als auch die Songtext-Auszüge, die des Öfteren in den Text mit eingebunden wurden. Es sind auch wirklich ein paar sehr tolle Songs mit dabei. Auf der Homepage des Verlags gibt es übrigens eine Playlist zum Buch: klick mich

Die eher zaghafte, vergangenheitslastige, aber doch auch leidenschaftliche Liebesgeschichte zwischen Linna und Falk hat mir ebenfalls gut gefallen.

Ingesamt war Linnsa singt ganz anders, als ich es mir vorgestellt hatte und es hat mich auf jeden Fall positiv überrascht. Ich kann diesen YA-Roman nur jedem empfehlen, vor allem jetzt, wo es noch so bitterkalt draußen ist. Traurig fand ich dann nur das Ende, ich hätte mir so sehr gewünscht, dass es anders ausgegangen wäre. Aber vielleicht braucht es einfach noch etwas Zeit bis zu dem Ende, das ich mir für Linna und Falk erhofft habe.

Fazit:  

Für ein Buch, bei dem man frieren und leiden und die eine oder andere Gänsehaut bekommen kann; für interessante Charaktere, die eine emotionsgeladene Atmosphäre aufbauen und einen selbst an längst vergangene Schulzeiten und damalige Freunde denken lassen; für ganz viel tolle Musik und für all die Psychospielchen; dafür hat sich Bettina Belitz mit Linna singt 5 Wombats von mir verdient.





                                                                 Buchtrailer zu Linna singt

Dienstag, 15. Januar 2013

[Buch des Monats] Love is on air von James Mylet



Gebundene Ausgabe: 352 Seiten

Verlag: Fischer FJB

Sprache: Deutsch

ISBN-13: 978-3841421135
Der Inhalt in wenigen Sätzen:

Lex Donal muss nur noch die abschließenden Prüfungen bestehen, um dem kleinen irischen Kaff Clifden entkommen zu können. Danach geht es ab nach London, wo Lex studieren und nebenbei seine Karriere als Radiomoderator in Gang bringen will. Erste Erfahrungen hat er bereits mit seinem kleinen – und auch illegalen – Sender Radio Clifden gemacht, den er ganz allein betreibt. Nach den Prüfungen wird sich alles ändern. Er wird in einer Großstadt studieren und dort endlich seinen Traum leben können. Lex‘ letzter Sommer in Clifden beginnt, in dem er nicht nur hofft, den Sender und seine Heimat mit einem Paukenschlag verlassen zu können, sondern vielleicht auch dem Mädchen, das er mag, näherzukommen.

Der erste Satz:
"Von der Schule bis nach Hause brauche ich acht Minuten."

Was Izzy dazu sagt:
Der 17-Jährige Lex ist ein richtiger Musikjunkie, seine Begeisterung und Liebe zu Bands bringt ihn irgendwann zu der Idee, in seinem kleinen Heimatort Clifden einen eigenen Radiosender zu gründen. Lex weiß natürlich, dass das nicht ganz legal ist, doch je mehr sich der Sender etabliert, desto sicherer ist er sich darin, dabei zu bleiben. Da der Sender richtig gut läuft, beschließt Lex nach der Schule nach London zu ziehen und dort zu versuchen, als Radiomoderator Erfahrungen zu sammeln. Bevor er Clifden in diesem Sommer verlässt, plant er zum Abschied ein großes Festival, für dessen Finanzierung er hart gearbeitet hat. Lex' letzter Sommer, soll nicht nur für ihn etwas Besonderes werden, sondern auch den Bewohnern von Clifden in Erinnerung bleiben.

Lex ist ein einfühlsamer und nachdenklicher junger Mann, der selbst zugibt zu viel zu denken und sagt, dass die Musik ihm dabei hilft abzuschalten. Er ist unsportlich und geht Auseinandersetzungen so gut er kann aus dem Weg. 
Die Geschichte aus seiner Sicht zu lesen war für mich ein richtiges auf und ab. Denn es gibt durchaus Passagen, in denen ich ihn ursympathisch fand. Wenn er zugibt ein Besserwisser zu sein; wie er von seinen Geschwistern genervt ist und sie gleichzeitig über alles liebt. Und natürlich Lex' Liebe zur Musik. Oft erzählt er von Bands und davon welche Lieder er im Sender spielt. Auch die Planung des Festivals zeigt, wie viel ihm daran liegt, den Leuten eine gute Show zu bieten. Aber irgendwie konnte ich trotzdem nie so recht mit Lex warm werden. Nie hat mich eine Geschichte um ihn komplett packen können. Sei es die Liebe zur Stadtschönheit Michelle, die – sei es seinem Alter geschuldet – eher von oberflächlicher Natur ist. Michelle gibt als Charakter nämlich wenig her und bekommt allenfalls das Hauptattribut sehr hübsch zu sein zugeschrieben, was Lex allerdings genügt, um sie anzuhimmeln. Ständig macht er sich Gedanken darüber, wie er bei ihr landen könnte. Schließlich ist Lex noch Jungfrau und möchte eigentlich so schnell wie möglich etwas daran ändern (was seine besten Kumpels durch einen ebenso gemeinen wie witzigen Radioaufruf öffentlich machen). 
Auch die Stimmen der Eltern und seiner Geschwister Fiona und Sean konnten mich nicht vom Hocker reißen.  Jeder kommt in kürzeren Abschnitten zu Wort und berichtet davon, wie er Lex sieht und was er über dessen Umzug nach London denkt. Ein wenig abheben konnte sich hier die altkluge, jüngere Schwester Fiona, die einige witzige Bemerkungen macht. 
Am meisten angesprochen hat mich noch die Freundschaft zu seinem besten Kumpel Davy, den Lex selbst oft als Bekloppten bezeichnet. Diese Jungs haben bereits viel miteinander durchgemacht und sind auf ihre Art Außenseiter, die sich gefunden haben. Allzu viel erfährt man nicht von Davy, aber er ist immer für Lex da und steht ihm so nahe wie ein Bruder.

Obgleich das Buch versucht, Lex‘ Weg ins Erwachsensein darzustellen; die Unsicherheit einzufangen, die er in Bezug auf seine Zukunft verspürt, habe ich es oftmals aus der Hand gelegt, um etwas anderes zu tun, da mich weder die Charaktere noch die Story an sich gefesselt haben. Die Geschichte plänkelt, ohne viel Spannung aufzubauen und ohne viel Eindruck zu hinterlassen, vor sich hin. Was schlichtweg daran liegt, dass man Lex' Träume zwar schnell kennt, er sich allerdings so rasant wie eine Schildkröte auf diese zu bewegt.
Einzig die letzten Passagen, in denen Lex erkennt, was der vergangene Sommer wirklich für ihn bedeute hat, fand ich schön und treffend beschrieben. Hätte mich das Buch während des Lesens öfter derart berühren können, wäre mir das Lesen deutlich leichter gefallen.

Fazit:
Love is on air, ist eine nette Coming of Age Geschichte, die jedoch nie gänzlich den Anspruch erhebt tiefgründig zu sein. Für eine Story, die mich leider kaum packen konnte und Charaktere, die größtenteils ziemlich blass blieben, vergebe ich


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Sonntag, 13. Januar 2013

[Ich höre gerade ...] Ein Tag ohne Zufall von Mary E. Pearson

Allein durch das wunderschöne Cover bin ich schlussendlich auf das Buch neugierig geworden. Irgendwie bin ich dann aber beim Hörbuch gelandet, das von Anna Carlsson eingelesen wurde, die ich als Hörbuchsprecherin unwahrscheinlich mag.

Audio CD
Verlag: Der Audio Verlag, Dav 
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3862310364
Inhalt:
Im Augenblick ist alles möglich

Destiny wird von ihren Eltern von einem Internat ins nächste verfrachtet, seit sie sieben ist. Sie lässt niemanden an sich heran, denn Freundschaften schließen hat keinen Zweck, wenn man ohnehin bald wieder gehen muss. Doch dann ist da plötzlich dieser perfekte Tag, an dem sich die Zufälle überschlagen – oder sollte es Schicksal sein? Jedenfalls steht da auf einmal zufällig diese blassrosa Luxuslimousine mit hochgeklapptem Lederverdeck und laufendem Motor, und zufällig finden sich drei Mitschüler, die aus den unterschiedlichsten Gründen nichts gegen eine Spritztour haben … So beginnt ein spontaner Roadtrip voller sonderbarer Begegnungen, an dessen Ende Destiny ihren Schutzschild fallen lassen kann. Und plötzlich weiß sie, dass die Wahrheit ganz anders aussieht, als sie immer dachte.

 

Freitag, 11. Januar 2013

[Book meets movie] Life of Pi - Schiffbruch mit Tiger



Infos zum Film:

Mit:Suraj Sharma, Irrfan Khan

Regie: Ang Lee
Start: 26.12.2012
Laufzeit: 127 Min. 
Genre: Abenteuer, Drama


Der Inhalt in wenigen Sätzen

Piscine "Pi" Patel und seine Familie müssen mitsamt ihrem Zoo umziehen. Auf der Reise zieht ein Unwetter auf, durch das es zum Schiffbruch kommt. Und plötzlich findet sich Pi Patel auf einem Rettungsboot wieder - hilflos und ohne seine Familie, aber mit einem gefährlichen, bengalischen Tiger namens Richard Parker. 
227 Tage voller schicksalhafter Abenteuer und Erlebnisse stehen ihm bevor ...

Das sagt Lucy:

Ja, die Bilder und Tieranimationen waren der Wahnsinn, das muss ich dem Film lassen. Und ja, ich gebe zu, auch das 3D hat sich gelohnt. Aber ist Life of Pi der zweite Avatar? Eher nicht, finde ich. Avatar hat mich gefangen genommen und ich kam komplett überwältigt und verträumt, mit großen, leuchtenden Augen aus dem Kinosaal, bei Life of Pi ging mir das nicht so. 
Ich will hier wirklich nicht meckern, denn ich habe den Film genossen, aber ich habe es leider kein einziges Mal geschafft ganz und gar abzutauchen in Pi Patels Welt. Aber was habe ich erwartet, beim Lesen des Buches ging es mir ja ganz ähnlich. (Die Rezi dazu findet ihr hier
Ich muss auch wirklich gestehen, dass ich den ganzen Hype um das Buch und den Film nicht so recht verstehe. Aber das bin vielleicht einfach nur Ich, die den tieferen Sinn nicht ganz so berührend fand wie der Rest der Welt oder ihn ganz einfach nicht kapiert hat. Mir war der Film - trotz der vielen, schönen Landschaftsaufnahmen und all den wundervollen Ideen, wie beispielsweise ein Meer aus leuchtenden Quallen, mit denen Ang Lee den Zuschauer überrascht - einfach zu langatmig. 
Dennoch, er hat mich durchaus ein wenig nachdenklich zurückgelassen, gerade weil er von einer wahren Begebenheit erzählt. Aber auch hier hat sich nichts zu der Meinung geändert, die ich schon beim Lesen des Buches hatte: Life of Pi - Schiffbruch mit Tiger ist für mich weder ein Film noch ein Buch, über den/das ich je so viel nachdenken könnte/wollte wie über so manch andere. 
Die Schauspieler des Protagonisten (und des beinah einzigen, menschlichen Charakters des Films) waren allesamt super; und nachdem ich mir einen kleinen Ausschnitt des Films auf youtube auch auf Englisch angesehen habe, muss ich zu meinem eigenen Erstaunen sagen, dass mir die deutsche Synchro ausnahmsweise einmal besser gefällt als die englische. Besonders Irrfan Khans Synchronstimme, die des alten Pi Patels, habe ich gerne zugehört, die hatte so etwas wunderbar Beruhigendes an sich.
Insgesamt ein Film, den ich genossen habe, der mich aber nicht komplett von den Socken gehauen hat. Aber die Musik, die war sehr sehr schön. Coldplay - yay!

 
 


Fazit:

Für einen Film mit wirklich talentierten Schauspielern und einer (ausnahmsweise einmal) wunderbaren deutschen Synchronisation; für super-schöne Landschaftsaufnahmen, einen klasse Soundtrack und tolle Tieranimationen; für einen Film, bei dem ich mit der Handlung nicht so ganz warm werde und mich leider nicht ganz und gar fallen und berauschen lassen konnte; dafür gibt es von mir 4 Wombats! 




Mittwoch, 9. Januar 2013

[Book meets movie] Jesus liebt mich



Wie Lucy und ich in unserem Post zu den kommenden Buchverfilmungen  angekündigt haben, haben wir uns zusammen Jesus liebt mich (Buch von David Safier) angeschaut. Der Trailer hat uns beide – obwohl wir das Buch nicht gelesen hatten – angesprochen und sah interessant genug aus, um sich den Film anzusehen.

Diese Rezension habe ich geschrieben, ohne das Buch vorher gelesen zu haben!


Infos zum Film:
Mit: Florian David Fitz, Jessica Schwarz, Henry Hübchen...
Regie: Florian David Fitz
Start: 20.12.2012
Laufzeit: 1 Std. 40 Min.
Genre: Komödie

Der Inhalt des Films in wenigen Sätzen:
Marie (Jessica Schwarz) ist sich ziemlich sicher ihr Leben einfach nicht auf die Kette zu bekommen. Alle ihre Beziehungen scheinen nicht recht laufen zu wollen. Bestes Beispiel dafür ist die Hochzeit, die sie vor dem Altar platzen lässt. Männer und Marie scheinen einfach nicht miteinander zu funktionieren. Dann trifft sie jedoch auf Jeshua (Florian David Fitz), der komplett anders zu sein scheint, als alle Männer, denen Marie bis jetzt begegnet ist. Aber Jeshua ist nicht nur ein besonderer Mann, nein, er ist Gottes Sohn, auf die Erde gesandt, um die Apokalypse vorzubereiten. Stichtag: der nächste Dienstag.

Was Izzy dazu sagt:
Die Grundidee des Buches finde ich toll: Wie wäre es, wenn Jesus zurück auf die Erde käme, um über die heutige Menschheit zu urteilen? Wie genau David Safier diesen Stoff umgesetzt hat, kann ich nicht beurteilen. Doch der Film nimmt sich der meisten Grundthemen des Buches an.
Gespickt mit vielen bekannten Darstellern, macht Jesus sich in der Verfilmung also auf, die Menschen besser kennenzulernen und zu entscheiden, ob die Apokalypse stattfinden soll.
Die Grundstimmung ist von Anfang an eher locker, besonders durch Maries trockene Kommentare findet man leicht in die seichte Handlung. Es sah für mich also danach aus, dass der Film meinen Erwartungen gerecht werden würde. Was leider nicht so war.
Denn dieser Film und ich wollten ab da einfach nicht miteinander warm werden. Zunächst einmal liegt das an Marie, die in den ersten Szenen noch recht lustig rüberkommt, aber im Verlauf des Filmes durch ihre hysterische Art nervt. Jessica Schwarz macht ihre Sache zwar gut, aber gerade das ist das Problem, denn Marie kommt für mich zu melodramatisch rüber. Einmal denkt und fühlt sie so, um im nächsten Moment komplett ihre Meinung zu ändern.
Florian David Fitz ist als Jesus überzeugend. Hin und wieder habe ich mich allerdings gefragt, ob Jesus wenn er inkognito auf der Erde wandelt wirklich vor Leuten Wasser in Wein verwandeln würde, aber als Gag ist es nett (und ist auch wohl eher der Buchvorlage geschuldet). Es gibt nichts, das Jeshua aus der Ruhe bringt und hin und wieder veranlasst sein Verhalten auch den Zuschauer – wenn auf gewollt überspitzte Weise – dazu ein wenig mehr zu reflektieren.
Maries Familie ist, trotz eher kleiner Rollen, gut besetzt. Gennant seien hier, ihre sprunghafte Mutter, toll dargestellt von Hannelore Elsner, von der Marie wohl ihre Entscheidungsfreudigkeit geerbt zu haben scheint. Oder ihr eher sanfter Vater, der sich eine viel jüngere, russische Frau anlacht, die mit ihren heimischen Weisheiten für die meisten Lacher des Filmes sorgt. Am besten gefallen hat mir jedoch Gabriel (allein das Puppenspiel zu Anfang war äußerst amüsant – ich habe herzlich gelacht, als die schockierten Kindergartenkinder eingeblendet wurden). Der auf die Erde entlassene Ex-Engel, mittlerweile der versoffene Dorfpfarrer, ist als es darauf ankommt zur Stelle und versucht die Menschheit vor ihrem Schicksal zu retten. Henry Hübchen verleiht Gabriel durch sein überzeugendes Spiel viel Tiefe und so einige Facetten, sodass ich mit diesem Charakter noch am ehesten mitfühlen konnte.

Erzählerisch gibt es im Mittelteil einige Längen, während das große Finale relativ unspektakulär abgehandelt wird. Hier hätte ich mir ein wenig mehr gewünscht, gerade, da im Buch so einiges geschehen soll.

Fazit:
Da ich das Buch nicht gelesen habe, kann ich nicht einschätzen, wie es für Buchkenner ist, doch ich war ein wenig enttäuscht von der filmischen Umsetzung der Geschichte. Ich hatte oftmals das Gefühl, dass man mehr hätte daraus machen können. Ein zu überspitzer Hauptcharakter, hat mir dann beinahe das ganze Filmvergnügen geraubt. Durch die ingesamt tollen Darstellungen und einige schöne Szenen, konnte der Film jedoch noch ein paar Punkte bei mir ergattern.

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Montag, 7. Januar 2013

[Rezension] Bitter Love von Jennifer Brown

*Leseprobe*
  • Gebundene Ausgabe: 408 Seiten
  • Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3423760485
  • Originaltitel: Bitter end
Der Inhalt in wenigen Sätzen:

Zum ersten Mal ist Alex so richtig verliebt, in Cole, den Neuen an ihrer Schule, dem sie Nachhilfe gibt. Schon bald werden sie ein Paar und die Stunden mit Cole sind für Alex die schönsten, die sie je hatte. Er ist sehr liebevoll und romantisch, spielt ihr zum Beispiel eigene Songs auf der Gitarre vor, und ständig macht er ihr irgendwelche tollen Geschenke.

Doch er hat auch eine andere, eine dunkle, aggressive Seite. Immer häufiger kommt sie zum Vorschein, doch so sehr ihre Freunde Alex auch warnen und so sehr sie selbst mit Zweifeln kämpft, sie schafft es einfach nicht, von ihm loszukommen. Ihre Liebe ist zu blind und zu groß.

Stattdessen manövriert sie sich selbst mehr und mehr ins Abseits, schiebt ihre Familie und Freunde von sich weg und findet sich schließlich mutterseelenalleine in einem Teufelskreis wieder, aus dem sie ohne Hilfe nicht mehr herauskommen kann ...



Der erste Satz:

               Es gab ein Wort, das wirklich passte auf meine beste Freundin Bethany: hartnäckig.



Das sagt Lucy:

Schon den ersten Roman von Jennifer Brown, Die Hassliste (Izzys Rezi dazu findet ihr übrigens hier ), fand ich unglaublich berührend und gut; er gehört zu jenen, die einem auch Jahre danach noch in Erinnerung sind und die es einem eiskalt den Rücken hinunterlaufen lassen. Und ebenso erging es mir mit ihrem zweiten Roman Bitter Love, in dem die Autorin ein weiteres unangenehmes, aber leider stets aktuelles Thema beleuchtet: Gewalt in der Beziehung.

Es geht um Alexandra Bradford, ein eher zurückhaltendes, nettes Mädchen mit einer Familiensituation, die ihr sehr zu schaffen macht. Ihre Mutter verunglückte tödlich, als sie noch ein Kind war, und ihr Vater ist seither nicht mehr derselbe. Es fällt ihm schwer, die Familie (Alex und ihre beiden Schwestern) zusammenzuhalten und der emotionalste, liebevollste ist er auch nicht. Außerdem haben sie finanzielle Probleme, sodass Alex sehr viel arbeiten muss, um sich ihre Wünsche zu erfüllen. Bei ihren besten Freunden Bethany und Zack, in der Lyrik und im Schreiben eigener Gedichte findet sie Zuflucht. Doch trotzdem, irgendetwas scheint Alex zu vermissen.

Dann macht sie Bekanntschaft mit Cole Cozen, der erst vor kurzem umgezogen und neu an ihrer Schule ist. Sie gibt ihm Nachhilfe, sie nähern sich an, unterhalten sich lange und gut, er mag ihre Gedichte, macht Songs daraus, die er ihr auf der Gitarre vorspielt ... und langsam entwickelt sich eine süße, alltägliche High-School-Romanze. Alles scheint perfekt und rosarot, bis auf einmal Coles andere Seite zum Vorschein kommt. Auf einmal ist er wegen jeder Kleinigkeit gereizt, wird gemein und verletzend zu Alex' Freunden und ihr selbst und besteht darauf, sie ganz für sich alleine haben zu wollen. Und letztlich schafft Cole es nicht nur, die gute Beziehung zu ihren Freunden ins Wanken zu bringen, sondern er wird auch so rasend, dass er handgreiflich wird und Alex weh tut.

Immer häufiger gebraucht Cole Gewalt, um seinen Willen durchzusetzen, und Alex ist so verängstigt und immer noch so verliebt, dass sie es mit sich machen lässt. Bis sie ein paar Mädchen aus Coles alter Schule trifft, die ihr ein paar grausame Details erzählen ...

Bitter Love ist kein Ratgeberbuch (lediglich im Nachwort finden sich einige Ratschläge und Bemerkungen zu dem Thema), es beschreibt einfach nur die Situation und Gefühle einer betroffenen Person und ist dabei so ehrlich und realistisch dargestellt, dass man sich als Leser sehr schnell mit im Geschehen des Buches befindet. Es ist eine Geschichte, die einen gefangen nimmt und die einen nicht drum herum kommen lässt, über dieses ernste Thema nachzudenken.

Natürlich stellt man sich hierbei auch die Frage, warum Alex, warum - verdammt noch mal - so viele Betroffene so lange ihren Mund halten; warum sie sich nicht wehren; warum sie so mit sich umgehen lassen; warum sie die Schuld auch noch bei sich suchen und sich einfach nicht helfen lassen. Und dann aber beschäftigt man sich während des Lesens länger und ausführlicher mit der Protagonistin und ihrer Situation und auch wenn man sich natürlich immer noch die oben genannten Fragen stellt, fängt man trotzdem an zu verstehen, weil es so feinfühlig und echt geschrieben ist.

Und man fragt sich zweifelnd: Hätte ich selbst den Mut, sofort zur Polizei oder zur Familie oder zu Freunden zu gehen? Ich kann diese Frage nicht mit Gewissheit mit Ja beantworten; ich denke immer noch darüber nach und es zieht sich alles in mir zusammen, wenn ich an Sätze wie diese hier aus dem Buch denke:

               "Er schlüpfte durch die Tür uns schloss sie leise hinter sich – und plötzlich war ich allein. Und da spürte ich den Schmerz mit voller Wucht.
Mein Handgelenk.
Meine Hüfte.
Mein Kopf.
Mein Nacken.
Doch nichts von alledem schmerzte so sehr wie mein Herz.
Wie konnte das der Junge sein, dessen Hand beim Gitarrespielen so sanft auf meiner gelegen hatte? Der Junge, der aus meinem Gedicht einen Song gemacht hatte?" (S.221)

Aus der Ich-Perspektive bekommt man Einblick in die Gedanken- und Gefühlswelt der Alexandra Bradford. Der Schreibstil ist der Protagonistin angepasst, jugendlich, manchmal aber leicht lyrisch angehaucht, da Alex eben Gedichte schreibt. Oft wird erwähnt, mit welchem Wort sie diese oder jene Person oder dieses oder jenes Erlebnis in einem Gedicht beschreiben würde. Und auch ein ganzes Gedicht von ihr kriegen wir zu lesen (welches mich im Übrigen sehr berührt hat.)

Die Charaktere sind allesamt sehr authentisch dargestellt. Ich habe Alex und ihre Freunde sehr lieb gewonnen; insbesondere Zack, der mich sooft zum Lachen bringen konnte mit seinen dreckigen Witzen oder seinen Albernheiten. Und auch wenn ich keine näheren Erfahrung mit solchen Gewalttätern habe, finde ich, dass Jennifer Brown insbesondere Cole sehr sehr realistisch beschrieben hat.

Außerdem habe ich es als sehr wirklichkeitsnah empfunden, dass Cole sich einen Charakter wie Alex "heraussucht" hat und dass sich das Buch eben nicht ausschließlich auf das Thema Gewalt in einer Beziehung versteift hat, sondern das Ganze eingebettet war in eine Geschichte über die Freundschaft und ein Familiendrama.

Ich habe dieses Buch in einem Rutsch durchgelesen, konnte es auf meiner fünfstündigen Zugfahrt von Izzy zu mir nach Hause absolut nicht aus der Hand legen. Einen halben Wombat Abzug gibt es eigentlich bloß, weil mir Die Hassliste noch einen Tick besser gefallen hat.

Ich hoffe auf ein weiteres Buch der Autorin über ein solch ernstes Thema. Bis dahin kann ich ihre beiden bisher erschienen Werke nur jedem ans Herz legen.

Fazit:

Dafür, dass Jennifer Brown es versteht, über Problemthemen zu schreiben; dafür, dass sie aufrichtig und realistisch schreibt und man mit ihren Protagonisten gleichzeitig total leiden und sie gleichzeitig an den Schultern packen und wachrütteln möchte; dafür, dass man als Leser ganz tief drinnen gepackt und zum Nachdenken gezwungen wird; für all das gibt es von mir 5,5 Wombats.

 
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