Mittwoch, 24. Juli 2013

[Rezension] Eve & Caleb von Anna Carey

  • Broschiert: 299 Seiten
  • Verlag: Loewe Verlag
  • ISBN-13: 978-3785571033
  • Originaltitel: Eve
Rückseitentext:

Wie überlebst du, wenn du vor allem fliehen musst, was du kennst?

Seit ihre Mutter während der Großen Seuche vor 16 Jahren gestorben ist, lebt Eve in einem Mädcheninternat. Hier wird sie zu einem wertvollen Mitglied der neuen Gesellschaft ausgebildet, glaubt sie zumindest. Als Eve erkennt, wie sehr sie und die anderen Mädchen ausgebeutet werden sollen, flieht sie. Doch auf ein Überleben in der Wildnis und auf die Flucht vor den Soldaten des Neuen Amerikas ist Eve nicht vorbereitet. Unerwartet hilft ihr Caleb, ein junger Rebell. Kann Eve ihm trauen? Sie weiß, die Soldaten werden die Suche nicht aufgeben, und Caleb ist ihre einzige Möglichkeit zu überleben. Sie muss ihr Leben in die Hände eines Fremden legen.

Der erste Satz:

             Meine liebe Eve, als ich heute vom Markt zurückgefahren bin - du hast in deinem Kindersitz vor dich hin gesummt, der Kofferraum war mit Milchpulver und Reis vollgepackt -, habe ich die San Gabriel Mountains gesehen, zum ersten Mal richtig gesehen.


Das sagt Lucy:

Ich habe mir dieses Buch ertauscht, weil ich neugierig war. Der Rückseitentext klang vielversprechend. Außerdem hieß der "junge Held" der Geschichte Caleb - und ich habe eine Schwäche für Kerle mit diesem Namen (woran übrigens Izzy Schuld ist, die mit ihrem Charakter Caleb meinen Traummann erfunden hat! ;-))

Doch sobald ich die ersten Kapitel gelesen hatte, wusste ich, dass ich weder mit der Protagonistin, noch mit der Handlung und der Welt, und am allerwenigsten mit Caleb klar kommen würde. Aber fangen wir von vorne an ...

Die Grundidee ist nichts Neues: Es geht um Eve, die als Kleinkind ihre Mutter an die Seuche verloren hat und seither hinter Mauern in einem Mädcheninternat wohnt. In der Schule ist sie Klassenbeste, sie vertraut ihren Lehrerinnen blind und steht voll und ganz hinter der Politik des Königs. Sie ist der festen Überzeugung, dass Männer wilde Bestien sind, von denen sie sich am besten fernhält und dass sie bald ein erfolgreiches, schönes Leben in der Stadt führen wird. Doch dann kommt sie hinter den grausamen Plan der Schule und des Königs - sobald die Mädchen ihren Abschluss haben, steht ihnen keine schillernde Zukunft in der Stadt bevor, sondern ein Leben als Gebärmaschine im Krankenhaus. Hals über Kopf macht Eve sich auf den Weg zu einem sicheren Ort, in dem Frauen scheinbar sorglos und abseits der Regeln des Königs leben können. Und trifft dabei auf Caleb, den gutaussehenden Retter in der Not, der so ganz anders ist als das, was ihr in der Schule über Männer erzählt worden ist. (welch Überraschung!)

Was ich an der ganzen Sache allerdings so gar nicht verstehe ... was ist der eigentliche Anlass dafür, dass Männer und Frauen seit der Gründung des Neuen Amerika nicht mehr zusammen leben und sich als Feinde betrachten? Für mich macht das absolut keinen Sinn. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass es so gut wie keine konkreten Hintergrundinformationen gibt. Was war der Grund für die Seuche? Wie war das Leben damals? Wie kam der König an die Macht? Warum gibt es überhaupt einen König für das ganze Volk und nicht stattdessen einen König für die Männer und eine Königin für die Frauen? Wie viel von Amerika ist denn überhaupt noch übrig? Auf eine Antwort auf diese Fragen habe ich vergeblich gehofft.

Stattdessen wurde ich überhäuft von Klischees und Kitsch (die Liebe ist natürlich sofort da! Kennenlernen muss man sich nicht wirklich, typisch Jugendbuch!); von einer vorhersehbaren Handlung mit so vielen glücklichen Zufällen, dass die ganze Geschichte letztlich einfach nur noch bis ins Kleinste konstruiert und abgehackt rüber kam. Außerdem muss ich gestehen, dass ich die Protagonistin, aus deren Ich-Perspektive man die ganze Geschichte erzählt bekommt, einfach nur nervig und manchmal fast schon ein bisschen zu naiv und dämlich fand. Mir ist klar, dass sie wohlbehütet aufgewachsen ist und nichts von der Welt außerhalb der Schulmauern kennt, aber ein wenig Grundinstinkt hat man als Mensch einfach. Mit Eve wäre ich aber sogar irgendwie noch klar gekommen, wenn da nicht Caleb und der Rest der Charaktere gewesen wären. Allesamt sind sie wandelnde Klischees und stets in ihren Rollen, um die Handlung so voranzutreiben, wie die Autorin es gerne hätte. Und der einzige, zunächst interessante Charakter verwandelt sich am Ende in einen so seltsamen, fiesen Typen, dass ich das Buch an dieser Stelle erst einmal enttäuscht zuschlagen musste.  

Im Nachhinein betrachtet hätte ich an dieser Stelle abbrechen sollen, dann wäre mir die Enttäuschung des Endes erspart geblieben gewesen. Erinnert hat mich das nämlich in gewisser Weise an das Ende von Delirium, mit dem ich ebenso wenig klar gekommen bin. (Mehr will und kann ich dazu nicht sagen ohne zu spoilern!)

Der Schreibstil ist dem Jugendbuch-Genre angepasst und liest sich sehr einfach. Richtig fesseln konnte er mich allerdings nicht. Insgesamt lässt sich sagen, dass sich Eve & Caleb - Wo Licht war für mich kein bisschen von anderen Jugendbüchern dieses Genres abhebt. Ich habe nicht einmal das Bedürfnis Band 2 zu lesen. Mittlerweile habe ich das Buch wieder vertauscht und hoffe, dass jemand anderes (jemand Jüngeres) mehr Freude an der Geschichte haben wird.

Fazit:

Eve & Caleb - Wo Licht war war ein Trilogie-Einstieg, der mich nicht überzeugen konnte.Die dystopische Welt weist Lücken und Logikfehler auf, die Handlung ist konstruiert und hält keine Überraschungen parat, die Charaktere sind flach und voller Klischees, die Liebe kam zu plötzlich und ist zu verkitscht. Auf Band 2 habe ich keine große Lust. Deshalb gibt es von mir auch nur 2 Wombats. Schade, denn ich fand Cover, Rückseitentext und die Namen der Protagonisten eigentlich ziemlich toll. 


2 Kommentare:

Miss Bookiverse hat gesagt…

Also die ersten Kapitel fand ich ja noch ganz vielversprechend, aber sobald Eve unterwegs ist geht es steil bergab. Stimme dir bei so ziemlich allem zu - außer "typisch Jugendbuch", es gibt auch einige, die nicht sofort auf Instalove setzen ;) und ich finde nicht, dass Jugendbuch gleich simpler Schreibstil bedeutet. Diese Aussagen klingen so herabsetzend für das Genre und es gibt da ja durchaus einige richtig gute Bücher.

Lucy Montrose hat gesagt…

@ Miss Bookiverse: Es stimmt, es gibt durchaus Jugendbücher, die sich da abheben und sich mit der Liebe etwas Zeit lassen, allerdings sind das eher Ausnahmen. Dass der Schreibstil im Jugendbuch-Genre oft simpel ist, hab ich keinesfalls abwertend gemeint, aber oftmals ist es eben so. Jugendbücher, gerade wenn sie aus der Ich-Perspektive geschrieben sind, sind einfacher zu lesen, oft haben sie einen jugendlich-frischen Schreibstil, wenig ultra-lange SChachtelsätze. Auch da gibt es natürlich Ausnahmen, keine Frage.

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