Mittwoch, 6. Juli 2011

[Rezension] Göttlich verdammt von Josephine Angelini

Gebundene Ausgabe: 494 Seiten
Verlag: Dressler
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3791526256
Die Story in wenigen Sätzen:
Helen wusste schon immer, dass sie anders ist. Aber anstatt das auszunutzen, versteckt sie sich und versucht eher durch Durchschnittlichkeit als Besonderheit zu glänzen. Als dann jedoch die Familie Delos auf die kleine Insel Nantucket zieht – und natürlich viel Gesprächsstoff bietet – ändert sich alles. Schon am ersten Tag in der Schule gerät Helen mit Lucas Delos aneinander und versucht ihn umzubringen. Sie kann sich den Hass, den sie dieser Familie entgegenbringt, nicht erklären, aber damit fängt es erst an, denn seltsame Alpträume lassen Helen nicht mehr los. Sie merkt, dass sie nicht mehr vor ihrer Andersartigkeit davonlaufen kann und sucht nach Antworten. Helen will es nicht glauben, aber gerade die Familie Delos ist es, die ihr Antworten geben kann.

Der erste Satz:
Aber wenn du mir jetzt ein Auto kaufst, gehört es dir, wenn ich in zwei Jahren aufs College gehe.“

Was Izzy dazu sagt:
Endlich gibt es mal etwas zu lesen, das von den ganzen Engeln, Feen, Vampiren und Werwölfen abweicht. Das war mein erster Gedanke, als ich Göttlich verdammt am Anfang des Jahres im Programm von Oetinger entdeckt habe. Da ich die griechische Mythologie auch wahnsinnig interessant finde, konnte ich es kaum erwarten, dieses Buch in die Hände zu bekommen.
Als ich mit dem Lesen begann, flaute die doch recht hohe Erwartungshaltung dann allmählich ab. Gerade zu Anfang spürt man, dass es sich um Josephine Angelinis Erstlingswerk handelt. Die Sprache ist einfach, die Absätze abgehackt und ständig hatte ich das Gefühl, dass Übergänge fehlten. Neben dieser Startschwäche ist mir negativ aufgefallen, dass es sich um einen auktorialen Erzähler handelt. Unter allen Erzählperspektiven ist mir diese am unliebsamsten, denn es ist schwierig den Charakteren näher zu kommen und sich mit Ihnen zu identifizieren.
Mit voranschreitender Handlung fiel es mir leichter am Ball zu bleiben, obwohl es immer mal wieder Stellen gab, die holprig geschrieben waren. Leider war der Schreibstil nicht sehr beständig. Da ich aber eher eine Charakterleserin bin, habe ich dennoch versucht mich dem Buch über diesen Weg anzunähern. Problem ist hier aber wieder zum einen der auktoriale Erzähler, der es schwer macht Helen wirklich nahe zukommen. Dazu kommt, dass Helen an sich ein eher neutraler Charakter ist, weder mochte ich sie, noch habe ich sie verabscheut. Zu Beginn ist sie übertrieben schüchtern und versucht sich unentwegt zu verstecken. Nach und nach wächst sie aber über sich hinaus und entwickelt mehr Selbstbewusstsein. Die Gewichtung ist hier aber eher unglücklich gewählt, denn selbst für ihresgleichen ist Helen extrem hübsch und natürlich auch superstark. Weniger wäre hier wirklich mehr gewesen, um Helen besser zu einer Identifikationsfigur zu machen. Ihr männliches Gegenstück Lucas konnte mich nicht viel mehr überzeugen. Er hat die typischen Attribute eines Jungen, auf den ein weiblicher Hauptcharakter stehen soll, gut aussehend – was sonst – intelligent, beliebt und so weiter und sofort. Hier wären Macken mal eine angenehme Abwechslung gewesen, doch leider ist das in diesem Genre ja eher unüblich.  Schließlich kann dann nicht der obligatorische "Er war der schönste Junge, den sie jemals gesehen hatte" - Satz verwendet werden.  Und das geht ja nun wirklich nicht - scheinen viele Autoren momentan zu denken. Aber nicht nur bei der Zeichnung ihrer Hauptcharaktere greift Josephine Angelini lieber auf Altbewährtes zurück. Viele der Nebencharaktere haben mich doch sehr stark an die aus der im Werbeslogan genannten Bis(s)-Reihe eirnnert. Hector ist ein jähzornigerer Emmet, Ariadne erinnert an Alice, Noel an Esmee und so weiter - richtig kreativ war sie hier nicht. Dafür mochte ich die Charaktere, insbesondere Claire,  trotzdem sehr gerne. Tiefgründig ist zwar etwas anderes, aber es wurden gute Grundsteine für spätere Entwicklungen gelegt.
Auch Storytechnisch bietet Göttlich verdammt eine eher durchwachsene Mischung. Die Liebesgeschichte erinnert an viele andere, die man so oder ein wenig anders schon des Öfteren gelesen hat. Ehrlich gesagt, habe ich mich manchmal richtig an Bellas und Edwards „Ich liebe dich, aber wir dürfen nicht zusammen sein“- Hin und Her erinnert, das hier sogar richtig ausgereizt wurde. Richtig gestört hat mich, nachdem der Hass zumindest gut begründet und umgesetzt war, aber wie schnell das dann in „unsterbliche, niemals enden wollende“ Liebe umgeschwankt ist. Ein etwas realistischerer Übergang wäre hier schöner, dem ganzen Drama aber leider nicht zuträglich gewesen. Manchmal habe ich gar nicht verstanden, wieso ein Charakter jetzt gerade so handelt, außer, dass es mehr Drama zum Effekt hatte. Lucas hätte nur einmal mit Helen reden müssen, um eine extrem wichtige Sache aus dem Weg zu räumen, macht das natürlich nicht und die Katastrophe ist wieder vorprogrammiert. Generell waren die Reaktionen manchmal seltsam. Ich habe noch nie ein Buch gelesen, in dem alle ständig und nicht selten zu unpassenden Zeiten, kichern. Irgendwann hat es mich richtig gestört und ich bin drüber hinweg gegangen, um nicht ständig die Augen zu rollen.
Richtig packend ist hingegen die Verwebung der griechischen Mythologie mit der Story. Mag mal dahingestellt sein, dass der Trojanische Krieg jemals solche Ausmaße und Auswirkungen haben könnte, trotzdem macht es verdammt viel Spaß zu lesen, wie Josephine Angelini alles mit der griechischen Götterwelt verwebt. Hier zeigt sich auch, dass sie ihre Hausaufgaben gut gemacht hat und das anzuwenden weiß. Diesem Teil hat sie es auch zu verdanken, dass ich das Buch trotz so einiger schreibtechnischer Mängel in zwei Sitzungen durchgelesen hatte und nicht absolut begeistert, aber auch nicht vollkommen unzufrieden zurückgelassen wurde.

Fazit:
Göttlich verdammt bietet, nette, wenn nicht ganz neue Charaktere. Gerade die Nebencharaktere sind mir ans Herz gewachsen, allen voran die quirlige Claire, von der ich gerne mehr sehen möchte. Die Hauptcharaktere Helen und Lucas schaffen es aber leider nicht gänzlich zu überzeugen, dazu ist ihre Liebesgeschichte zu dramatisch dargestellt und gleichzeitig ziemlich gefühlsarm. Händchen halten und sich ein ums andere Mal fragen, ob der andere eine Beziehung hat, reichen für mich nicht, um die ewige Liebe darzustellen. Größtes Manko sind für mich allerdings die stilistischen Mängel. Abgehackte Absätze, ein unbeständiger Stil mit Auf und Abs, sowie Zusammenfassungen von ganzen Tagen, die es mir schwer machten, mich in der Story zurechtzufinden, bilden die Negativpunkte. Am meisten gestört hat mich aber die ständige Ähnlichkeit zu Twilight – ein wenig mehr Mut zur eigenen Sache wäre hier schön gewesen.
Riesiger Pluspunkt und letztendlich ausschlagegebend dafür, dass ich den zweiten Band auch lesen möchte, ist die Idee, die griechische Mythologie als Hintergrund zu nutzen. Und das hat Josephine Anglini meiner Meinung nach sehr gut gelöst.
Da mich dieser Teil noch relativ begeistern konnte und ich alles in allem auch schon wesentlich schlechtere Bücher gelesen habe, vergebe ich vier Daphnes und bin gespannt darauf, wie es weitergeht.



9 Kommentare:

Friedelchen hat gesagt…

Ich kann deine Kritik vollkommen nachvollziehen, obwohl ich selbst die Höchstbewertung für das Buch gegeben habe. Auch mir sind die von dir genannten Punkte negativ aufgefallen, und doch hat mich das Buch im Gesamten begeistern können. Und nachdem mich der ganze Hype um die Biss-Reihe kalt gelassen hat, weil ich die Bücher eher mau fand, fand ich es schön, endlich auch mal wieder für ein Buch zu schwärmen :-)

Strawberry hat gesagt…

Ich stimme dir in allen Punkten überein. Ich mag zwar solche Twilight Vergleiche nicht, aber hier drängte es sich ja praktisch auf ;)
Auch diese seltsamen Handlungen, die dich kurz zum Überlegen veranlasst haben, empfand ich auch so.
Schöne rezi =)

Strawberry hat gesagt…

Haha! Eigentlich Strawberry, aber gut :)
Passiert mir auch manchmal ;)

Ja dieses Kichern, auch wenn es gerade nicht gepasst hat O.o Sehr seltsam das ganze.
Ich habe überlegt, obs an der Übersetzung lag. Man hätte das wahrscheinlich mal auf englisch lesen sollen.

Reni hat gesagt…

Ich schließe mich ebenfalls an - tolle Rezi und mir ging es wieder einmal ähnlich. ;)
Bei mir hat "Göttlich verdammt" im Ganzen eher schlecht abgeschnitten. Göttlich waren für mich nur die Idee sowie der mythologische Hintergrund ... Wie es bei dir auch der Fall war, konnte ich mich für Helen und Lucus überhaupt nicht begeistert - mir war völlig Schnuppe, was mit den beiden passiert und das ganze Hin und Her mit Händchenhalten und Kichern ... und "Ach wir dürfen nicht zusammensein" ging mir doch sehr auf die Nerven. Auch der autoriale Erzählstil passte für mich absolut nicht zu der Handlung. Der Einstieg war mehr schlecht als recht - eine Berg und Tal fahrt, die für mich ganz weit unten begann. Es gab zwar auch einige schöne Stellen/Charaktere (mir ging es mit Claire ähnlich), aber die meiste Zeit über habe ich eher aufgestöhnt oder mit den Augen gerollt. Na mal sehen, was die Fortsetzung bringt ... sollte ich sie lesen. ;)

LG Reni

Izzy hat gesagt…

@Strawberry:
Ahhhhh, das ist ja jetzt peinlich! Da weiß man, warum ich morgens zu nichts zu gebrauchen bin - die Verwirrung ist da einfach noch zu groß.^^ Sorry, meine Liebe!:-)

@Reni:
Hab mir auch schon deine Rezi zum Buch durchgelesen.^^ Da haben wir wirklich eine sehr ähnliche Meinung.
Aber irgendwie konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen und will jetzt wissen wie es weitergeht. Von daher habe ich es ein wenig besser bewertet als du!

Anonym hat gesagt…

die Kritik ist vollkommen berechtigt, icg fande das Buch zwar sehr fesselnt muss aber auxh sagen das mich die geschichte fast aus einer mischung von der Biss-Reihe und der Liebe geht durch alle Zeiten-Reihe besteht. Schade ist ebenfalls das sehr wenig auf die Charaktereigenschaften der Figuren eingegangen wird.
Ich beschäftige mich schon seit ettlichen Jahren mit der griechischen Mythologie und war so zumindestens erfreut keine Fehler vor zufinden.

Anonym hat gesagt…

also es ist zwar fesselnd, aber so ganz verstanden hab ichs auch nicht...und hector ist wie emmett in twilight..und ariadne wie alice, cassandra wie rose usw.
Aber die story ist eig. ganz nett...
Lg cat

Anonym hat gesagt…

ich liebe das buch teil 1 und 2

Anonym hat gesagt…

Hi,
Also ich finde das Buch voll okay. Es gehört zu meinen Absoluten Lieblings Büchern. Ich fand, dass es an jeder stelle verständlich war,
klar hätte das geschriebene an gewissen stellen geheimnisvoller verpackt sein. Im großen und ganzem finde ich es ein gelungenes Buch. Von mir bekäme es 4/5 punkten, wegen den schon oben angedeuteten Kleinigkeiten. Ich selbst interessiere mich auch für Mythen und Literatur unter anderem William Shakespeare usw. Ich hoffe auf antworten bzw. auf mitreder auf meinen kommentar, eure Gwenny

Kommentar veröffentlichen