Donnerstag, 20. Juni 2013

[Rezension] Nacht aus Rauch und Nebel von Mechthild Gläser


Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
Verlag: Loewe Verlag
ISBN-13: 978-3785574454
Der Inhalt in wenigen Sätzen (Klappentext):

Flora hat sich endlich an ihr neues Leben gewöhnt: Tagsüber geht sie zur Schule, nachts wandert sie nach Eisenheim, in das schattenhafte Spiegelbild unserer Welt, das von den Allmachtsfantasien des Eisernen Kanzlers bedroht wird.
Zwar ist es Flora gelungen, den Weißen Löwen, den Schicksalsstein Eisenheims, vor ihm zu verbergen, aber die Lüge, die sie darüber erzählen musste, hat sie und Marian, den Jungen, den sie liebt, entzweit.
Doch nun müssen sie sich gemeinsam einer neuen Gefahr stellen: Immer mehr Stadtbezirke von Eisenheim werden von einer unheimlichen Macht vernichtet und eine rätselhafte Prophezeiung deutet darauf hin, dass Flora und der verschwundene Weiße Löwe der Grund für die Zerstörung sind.

Der erste Satz:

             Schwarz hing der Himmel über den Gassen von Eisenheim.

Was Izzy dazu sagt:

Einige Wochen nach den Ereignissen des ersten Teils Stadt aus Trug und Schatten geht es nun in Nacht aus Rauch und Nebel  weiter mit den Erlebnissen der Protagonistin Flora Gerstmann in der Welt der Träume, Eisenheim.
Das Nichts breitet sich immer weiter aus, Floras und Marians Beziehung scheint undefinierbar und Floras Vater ist mehr denn je überfordert von seinen Aufgaben als Schattenfürst. Dies bildet die Grundlage für die Story des zweiten und letzten Bandes der Schattenwelt–Dilogie.

Der Schreibstil hat sich im Gegensatz zum ersten Band noch verbessert und man taucht schnell in Floras zwei Welten, Essen und Eisenheim, ein. Mechthild Gläser versteht es dabei sehr gut, die beiden Bände zu verbinden und dem Leser auf unaufdringliche Art die wichtigsten Ereignisse des ersten Bandes wieder ins Gedächtnis zu rufen.
Wohin die Story sich entwickeln wird, bleibt offen und bis auf ein oder zwei Wendungen, schafft die Autorin es, zu überraschen. An einigen Punkten wird es richtig spannend und man möchte wissen, wie es nun mit der Schattenwelt und seinen Bewohnern weitergeht.

Flora ist teilweise überfordert von den Entwicklungen in Essen, aber vor allem Eisenheim, das immer stärker vom Nichts bedroht wird. Leider kann ihr bei der schwierigen Aufgabe die Gefahr abzuwenden niemand helfen. Ihr Vater, der Schattenfürst und Herrscher über Eisenheim, ist komplett mit seiner Aufgabe überfordert und wirkt durch seine konsequente Unfähigkeit, leider oft stark überzeichnet. Er scheint nie selbst nachzudenken, sondern sich auf die Meinungen und Entscheidungen anderer zu verlassen. Seine offenkundige Naivität und fehlende Durchsetzungskraft gipfeln darin, dass selbst Flora an ihm zweifelt und ihm manchmal seinen gesunden Menschenversand abspricht. Wie eine solche Person eine ganze Welt beherrschen und zusammenhalten soll, sei mal dahingestellt, denn Floras Vater ist nur einer von vielen Charakteren, die leider nicht ganz rund wirken.
Amadé, im ersten Band mein Lieblingscharakter, macht im Verlauf der Geschichte eine Charakterentwicklung durch, die ich schwer nachzuvollziehen fand. Zu abrupt wird sie eingeflochten, zu oberflächlich begründet. Schade, da sie für mich die absolute Sympathieträgerin und Flora eine gute Freundin war.
Das größte Problem stellen allerdings Flora, Marian und ihre „Beziehung“ dar. Beide geben zu, sich keinen Deut zu vertrauen; versuchen sich aus dem Weg zu gehen, um dann in den seltsamsten Momenten wieder zusammenzufinden. Und gerade, wenn sie beginnen sich einmal wie normale Menschen, die eine Beziehung führen, über ihre Probleme zu unterhalten, reagiert meist Marian extrem zickig und abweisend. Welchen Grund es für seine Reaktionen gibt, außer dem, dass viele Antworten auf Fragen und Geheimnisse dadurch noch ein wenig länger aufgeschoben werden können, ist nicht ersichtlich. Durch sein sprunghaftes, launisches Verhalten und den Drang die wichtigsten Dinge vor Flora geheim zu halten, ist mir Marian extrem unsympathisch und konnte diesen Eindruck bis zum Ende nicht wettmachen.
Flora selbst hinterlässt kein viel besseres Bild. Sie ist zickig, wie eh und je, denkt manchmal nicht nach und übertreibt meiner Meinung nach maßlos, wenn es um den Eisernen Kanzler und seine abgrundtiefe Bosheit geht. Ich kann mich nur schwer mir ihr und ihrer Gefühlswelt identifizieren, was aber auch daran liegen mag, dass ich nichts mit ihr gemein habe.
Last but not least bleibt auch der Eiserne Kanzler ein blasser Bösewicht, der eher durch Floras Äußerungen zum Bösen stilisiert wird, als durch seine Taten.
Hier und da hätten die Beweggründe der Personen noch stärker herausgearbeitet werden; hätte man ihnen mehr Facetten verleihen können. Anstatt Flora und Marian mehr streiten als zusammen sein zu lassen, hätte man sich mehr auf die Stärken ihrer Beziehung konzentrieren sollen. Das hätte der Glaubwürdigkeit ihrer Liebe gut getan.
Nacht aus Rauch und Nebel spricht hier stark seine Zielgruppe an, das wird gerade in diesem Bereich deutlich. Denn ich kann mir vorstellen, dass jüngeren Lesern das alles wahrscheinlich nicht so arg ins Auge fallen wird und sie das Drama eher verstehen können.

Fazit:

Mechthild Gläsers Reise als Autorin hat mit den Schattenwelt–Bänden gerade erst begonnen, was man den Büchern ab und an anmerkt. Dennoch werde ich sie im Auge behalten, denn Potenzial ist mehr als vorhanden.
Der Abschluss von Floras Geschichte konnte mich nicht in euphorische Begeisterungsstürme versetzen, hat mich aber auch nicht komplett enttäuscht. Die Charaktere hätten runder, einige der Geheimnisse stärker ausgearbeitet sein können. Dafür ist der Schreibstil klarer und flüssiger und es gibt einige nette Ideen zu entdecken.
Nacht aus Rauch und Nebel ist eine solide Fortsetzung und ein mitunter spannender Abschluss der Schattenwelt–Dilogie. 

4 Kommentare:

Damaris hat gesagt…

Schön geschrieben Izzy, vieles sehen wir ähnlich. Ich hätte mich auch über einen richtig bösen Eisernen Kanzler gefreut. Auch der Mantikor hätte öfters vorkommen oder genauer erklärt werden können. Gefallen hat es mir jedoch sehr gut. Marians Art konnte ich auch so stehen lassen, obwohl er mir mitunter zu schweigsam, bzw. geheimnistuerisch ist. Die Idee hinter dem Ganzen ist einfach schön.
Viele liebe Grüße,
Damaris

Miss Bookiverse hat gesagt…

Oh das klingt ja nicht so richtig gut. Ich fand Band 1 ganz ok, aber so wie du Band 2 hier beschreibst, überlege ich, ob ich den überhaupt lese. Michigan es beim ersten Teil schon gestört und etwas gelangweilt, dass die Figuren in so Extreme Klischees verfallen. Lernt man denn wenigstens noch mehr von Eisenheim kennen? Und kommen Linus und seine Schwester noch mal vor?

Izzy hat gesagt…

@ Damaris:

Hallo Damaris!

Die Idee ist wirklich schön, da gebe ich dir Recht. Und ich sehe auch richtig viel Potenzial in Mechthild und bin gespannt, was sie als nächstes schreiben wird.


@Miss Bookiverse:

Hello!

Bei dem Buch würde ich sonst sagen, versuch es. Aber da du den ersten Band schon nicht so gut fandest, solltest du es vlt. dabei belassen.
Man sieht teilweise mehr von Eisenheim und gleichzeitig nicht, da das Nichts sich immer weiter ausbreitet. Ich würde aber trotzdem sagen, dass der Großteil der Handlung dort spielt. Linus und Wiebke haben nur kleine Rollen. Der Fokus liegt wirklich auf Flora, Marian und Co.

Hoffe, ich konnte dir weiterhelfen.

LG,
Izzy

Miss Bookiverse hat gesagt…

@Izzy: Deine Rezension hat mir schon sehr weitergeholfen, danke :)

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